Edelsteinlexikon

Die Entstehung von Edelsteinen - Geschenke der Natur

Edelsteine haben herausragende Eigenschaften: Sie glitzern und funkeln wie kein anderes Schmuckstück, und sie sind besonders hart und widerstandsfähig.
Die Frage ist: Wie schafft es die Natur solche hervorragende Edelsteine zur Erscheinung zu bringen. Edelsteine sind nichts anderes als Minerale, die es massenweise überall im Erdboden gibt. Doch die Minerale, die der Mensch als Edelsteine verwendet, sind besonders selten und sehen besonders schön aus. Deshalb werden auch nur 100 von insgesamt 4.000 Mineralen als Edelstein genutzt. Und diese 100 Minerale wiederum sind auch nicht zwangsläufig immer Edelsteine, sondern sie müssen vorher unter ganz bestimmten Bedingungen in der Erde gelegen haben: Nämlich unter einem sehr hohen Druck und hohen Temperaturen. Diese Bedingungen finden sich beim Saphir beispielsweise erst in einer Tiefe von 25 Kilometern in der Erde. Beim Diamant sind es sogar 120 Kilometer. In diese Tiefen können die Minerale nur vordringen, weil sie durch Verschiebungen der Erdplatten immer weiter nach unten in den Boden wandern. Hier liegen sie dann oft Hunderttausende oder sogar Millionen von Jahre bis sie schließlich durch vulkanische Explosionen wieder an die Oberfläche gebracht werden. Hier kann sie der Mensch nun bergmännisch in einem Stollen abbauen oder sie manchmal sogar einfach mit Wasser aus dem Gestein heraus waschen. Doch der Rohedelstein selbst ist zu diesem Zeitpunkt noch viel weniger wert als der Schmuck beim Juwelier - das liegt daran, dass er unbearbeitet ist. Deswegen werden besonders schöne Steine von einem Edelsteinschleifer so lange in Form geschnitten, bis sich das Licht besonders schön darin brechen kann. Dabei wird auch in Kauf genommen, dass manchmal gerade einmal zehn Prozent des Rohedelsteins erhalten bleiben. Ist der Stein nun bearbeitet, kann er endlich in einen Ring oder ein Collier eingearbeitet und beim Juwelier verkauft werden.


Geschichte und Mystik der Edelsteine

Geschichte

Die Gewinnung und Bearbeitung von Edelsteinen ist sehr alt. Archäologische Funde beweisen, dass schon in der mittleren Steinzeit, dem Mesolithikum, Interesse an edlen Steinen bestand. Im Hinblick auf die Entwicklung de Kenntnisse über Edelsteine lassen sich, weiträumig betrachtet, jedoch erhebliche Unregelmäßigkeiten feststellen.
In Zentral- und Ostasien, Babylon, Mesopotamien, Ägypten und Mittelamerika befand sich die Gewinnung und Bearbeitung von Edelsteinen auf einem hohen Niveau. Große Bewunderer und Kenner von Edelsteinen waren die Griechen, nach ihnen die Römer und Byzantiner. Dies beweisen auch die ersten vollständigeren Aufzeichnungen, die sich auf diese Thematik beziehen. In Mittel- und Nordeuropa der Zeit vor unserer Zeitrechnung blieben die Versuche zur Verarbeitung von Edelsteinen, ihrer Aufbereitung oder Anwendung als Schmuck eher vereinzelt. Eine Sonderstellung nahm der Ostsee-Bernstein ein, mit dem in der ganzen antiken Welt reger Handel betrieben wurde. Eine anderes Beispiel sind die schwarzen Armbänder, die die keltischen Bojer aus den sogenannten "Schwarten" (einer Art Kohlenschiefer) in der Umgebung von Nove Straseci herstellten. Von hier aus exportierten sie diese in das ganze keltische Europa.
Zu einer deutlichen Verstärkung des Interesses an Edelsteinen auf dem europäischen Kontinent trug die Entwicklung von Handel und Wissenschaft im 15. und 16. Jahrhundert bei. Ebenso hatte die Verbindung von Edelsteinen mit verschiedenen astrologischen Zeichen, mt Aberglauben u.ä. einen gewissen Einfluss. Allgemein erreichte das Interesse an Edelsteinen seinen Höhepunkt erst im 18. und 19. Jahrhundert, als massenhaft neue Lagerstätten entdeckt oder alte, schon in Vergessenheit geratene, wiedergefunden wurden.
Gegenwärtig werden immer mehr nicht traditionelle Edelsteine verwendet. In der sich ständig ändernden Mode kommen auch solche Edelsteine zur Geltung, die nicht immer ideale Eigenschaften aufweisen.

Mystik und zugesprochene Bedeutungen der Edelsteine

Die bunten "Mineralien" Edelsteine genießen bei den Menschen seit jeher hohe Wertschätzung:
"Die ganze Majestät der Natur ist auf kleinstem Raum in den Edelsteinen zusammengedrängt und ein einziger genügt, um darin das Meisterwerk der Schöpfung zu erkennen." (Plinius)
Bereits Abraham soll - laut jüdischem Talmud - um den Hals einen Edelstein getragen haben, dessen bloßer Anblick Kranken geholfen haben soll. Um den Hals trug später ein "Hohepriester" ein Schild mit zwölf Edelsteinen, von denen jeder für einen der israelitischen Stämme stand (2. Mose 28,17ff.).
In der Volksmedizin und dem Aberglauben spielen edle Steine bei Krankheit oder magischem Ritual ihre Rolle, verschiedene Therapieformen nutzen kristalline Schwingungen, die den Mineralen innewohnen sollen. Verschiedene Edelsteine waren zudem Zutaten zur Bereitung von Philtren (Liebestränke), die als Liebeszauber das Herz des oder der Geliebten gewinnen sollten. Altindische Götter kannten den Unsterblichkeitstrank Amrita, der aus milchreinem Wasser, Kräutersaft, flüssigem Golde und aufgelösten Edelsteinen bestehen soll.
Astrologen ordnen jedem Sternzeichen Edelsteine zu, jeder Monat hat seinen Monatsstein und auch den Runen und Tarockarten werden Edelsteine beigeordnet. Diese Zuordnungen weichen allerdings je nach Autor und Schule teils erheblich voneinander ab.
In Europa gibt es verhältnismäßig wenig Edelsteinvorkommen. Darum ist die abendländische Mythologie recht arm an Edelsteinsagen und sind die Bezeichnungen der meisten Edelsteine Fremdwörter. Schon das griechisch-römische Altertum übernahm Sagen und Verwendung der Edelsteine aus dem Osten, besonders aus Indien.


Bearbeitung von Edelsteinen

Einige Edelsteine waren wegen ihrer Härte schon von Anfang an zur Herstellung von Werkzeugen bestimmt. Andere boten sich mit ihrer außerordentlichen Schönheit als Schmucksteine an. Da die oft unzureichende Menge an hochwertigen Steinen die Nachfrage nicht befriedigen konnte, begann man allmählich auch Stücke von geringerer Güte durch ästhetische oder optische Betonung (Gravieren, Schleifen, Bohren) oder durch gezielte Formgebung (durch Spalten oder Schneiden) aufzubessern. Hier beginnt die Geschichte der Bearbeitung von Edelsteinen. Die Art und Weise der Bearbeitung hing vor allem von den Eigenschaften und der Qualität der Edelsteine, ebenso von der technischen Ausrüstung der Handwerker ab. Das Ergebnis der Bearbeitung mußte jedoch immer dem gleichen Zweck gerecht werden: Einen farbig, optisch und in der Form vollendeten Stein zu schaffen, der die Aufmerksamkeit auf sich zog. Zu den Grundtechniken der Bearbeitung von Edelsteinen gehörte in der Vergangenheit zuerst das Spalten, später noch das Gravieren, Bohren, Schleifen und Schneiden. In neuerer Zeit werden verschiedene Kombinationen dieser Techniken verwendet.
Das Kennen der Steine, ihrer Eigenschaften und der erwähnten Technologien ermöglichte schließlich eine Bearbeitung zu immer wirkungsvolleren und effektvolleren Formen (von unregelmäßigen Gemmen bis zu mugeligen Cabochons) hin. Höhepunkt wurde das Schleifen der Edelsteine, das die Kristallfläche nachahmte und zur Entstehung raffinierter Facettenschliffe führte, die auf vollkommene Weise die optischen Vorzüge dieser Steine ausnützten, jede Bearbeitungsart der Edelsteine - Tafelschliff, Cabochonschliff, Facettenschliff, Trommelschleifen - erfordert jedoch eine andere Art der Auswahl des Rohstoffs. So müssen z.B. für den Facettenschliff vollkommene Rohstoffe ohne Verunreinigungen, Inklusionen oder Spaltrisse und mit markant ausgeprägter Farbe ausgesucht werden. Für Cabochons können zwar gewisse Sprünge in Kauf genommen werden, die Farbe darf aber weder zu hell noch zu dunkel sein.


Veredelung von Edelsteinen

Die "Veredelung" ist ein Prozess, bei dem es ohne Veränderungen der ursprünglichen chemischen Zusammensetzung, beziehungsweise es ohne grundsätzliche Eingriffe in die physikalischen Eigenschaften zu einer ästhetischen Betonung, zu einer Aufwertung, des Erscheinungsbildes des Edelsteines kommt. Meistens wird die Farbe des Steins hervorgehoben oder abgeschwächt, oder es werden kleine Mängel, wie Sprünge, Fahnen, Poren u.ä. retuschiert. Der vielleicht bekannteste Veredelungsprozess ist das Färben der Achate und Chalzedone. Geeignete poröse Steine werden mit Farbstoffen oder anderen Reagenzien getränkt, die die gewünschte Farbe entweder direkt oder durch Einwirkung der Laugen, Säuren oder Wärme hervorrufen. Eine Intensivierung (bei Aquamarin, Saphir), Abschwächung (bei Morion, Rauchquarz) oder sogar Veränderung (bei Turmalin, Zirkon, Topas, Amethyst) der Farbe kann durch direkte Wärmebehandlung auftreten. In jüngerer Zeit verwendet man zur Intensivierung der Farben von Edelsteinen oft Strahlung (Diamant, Aquamarin, Rauchquarz, Perlen u.a.). Bei einer Teilrekonstruktion oder Retusche wird der Edelstein bis zur Sättigung mit verschiedenen ölen, Harzen oder anderen Reagenzien getränkt. Zur "Veredelung" lässt sich auch das Homogenisieren von Bruchstücken und Splittern einiger Edelsteine unter Druck und Wärmeeinwirkung (bei Türkis, Bernstein) zählen. Es handelt sich dann hierbei um sogenannte "rekonstruierte" Edelsteine. Bei Diamanten werden in neuerer Zeit mit Hilfe des Lasers Inklusionen (Einschlüsse) beseitigt. Der dabei entstandene Kanal wird mit stark Licht brechendem Spezialglas gefüllt.